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Prinz Kargon als Kind

 

Es war der erste warme Tag im Jahr, als Prinz Kargon auf sein Pferd stieg. Das Pferd war fast noch zu groß für ihn, doch sein Vater bestand darauf, dass er auf einem edlen Tier ritt und nicht auf einem Ponny. Immerhin war er der Erbe Ereals und als solcher musste er etwas darstellen. Seine beiden Brüder, Ereal und Zardon waren schon größer als er und stellten daher natürlich mehr dar. Vor allem Ereal, König Darkons Erstgeborener und Namensträger ihres Vorfahren sah beeindruckend aus. Er war noch keine sechzehn und dennoch war er muskulös, gut gebaut und sah einfach wie ein Anführer aus. Prinz Kargon dagegen war mit seinen sieben Jahren schmächtig und kam nicht einmal im Ansatz an seine Brüder ran. Vor allem, dass er kein Magisches Talent zu besitzen schien, machte ihm sehr zu schaffen. Er träumte immer noch davon, eines nachts im Traum eines fremden Menschen zu landen, Denn das Träumen zu beherrschen machte einen zu einem mächtigen Mann. Doch so... Sein Vater machte sich schon lange Gedanken, in welches Reich er ihn verheiraten konnte, damit er ihn nicht mehr sehen musste.

König Darkon gab seinem Pferd die Sporen und Prinz Kargon beeilte sich, ihm und seinen Brüdern folgen zu können. Er würde Schläge von seinen Brüdern bekommen, wenn er  sie aufhielt, das wusste er. Und sein Vater würde es gutheißen.

Sie ritten eine Weile durch den Wald und Prinz Kargon sah die letzten Schneereste zwischen dem frischen Grün des Waldes. Vereinzelt sah er Tiere, die aufgeschreckt in ihre Bauden huschten und in Kargons Kopf erschienen Bilder, wie er sie erlegen würde. Doch heute waren sie nicht auf der Jagd. Heute waren sie auf dem Weg in ein großes Dorf, in dem sie die Abgaben einsammeln würden. Der Winter war lang und hart gewesen und Kargon wusste, dass die Menschen nicht viel haben konnten. Und doch hatte sein Vater ihm klar gemacht, dass das uninteressant war. Die Menschen mussten ihrem König und ihrem Land dienen und das taten sie, indem sie ihre Abgaben bezahlten. Ganz gleich, wie hart das Schicksal traf.

Vor ihm machten Ereal und Zardon Witze über die Frauen, die in den Dörfern lebten. Sie nannten sie Weibsbilder und begannen darüber zu sprechen, wie ein gutes Weibsbild auszusehen hat. Kargon lauschte dem Gespräch interessiert, sie waren alt genug, um es wissen zu müssen.

„Sie muss obenrum gut aussehen. Man muss was zum Anfassen haben, sonst wird’s langweilig.“

Zardon hielt sich seine Hände vor die Brust und formte mit ihnen zwei große Kugeln, um seine Worte zu unterstreichen.

„Nun ja, aber ihr Hintern sollte nicht zu groß sein. Außerdem sollte sie generell dünn sein, damit sie neben einem gut aussieht. Man will ja nicht, dass die Menschen denken, dass man einen schlechten Geschmack hat.“

Ereal setzte sich selbstbewusst im Sattel auf. Alle wussten, dass er gutaussehend war und er wusste das auch. Natürlich wollte er eine Frau, die auch gut aussah.

„Ja, aber ein zu dünner Hintern ist auch nichts. Ich will lieber was zum anfassen haben. Nur der Bauch und die Beine dürfen nicht zu dick sein.“

„Außerdem sollte sie lange Haare haben. Ich mag es nicht, wenn Frauen ihre Haare nicht ordentlich hochstecken können. Und im Bett mag ich die Haare lang und offen.

Kargon überlegte gerade, ob er mit seinen Brüdern übereinstimmte, als sein Vater langsamer machte und sich ihrem Gespräch anschloss. „Nun meine Söhne, ihr habt Recht. Eine Frau sollte gut aussehen und was zum Anfassen haben. Doch noch viel wichtiger ist, dass sie euch gehorcht. Ihr seid der Mann und sie muss tun, was ihr sagt. Und das nicht nur mit Worten und Taten. Man  muss ihr ansehen, dass sie euch uneingeschränkt hörig ist. Eine Frau sollte einem Mann nicht direkt in die Augen sehen. Sie sollte ihren Kopf Männern gegenüber gesenkt halten und sie sollte prinzipiell nur dann sprechen, wenn man es ihr erlaubt. Es hat mich viel Arbeit gekostet, eurer Mutter das beizubringen, doch mittlerweile könnt ihr sie als Vorbild ansehen. Außerdem müsst ihr eine Frau suchen, die euch gute Söhne schenkt. Das ist eurer Mutter jedenfalls gelungen. Ihr beide seid wirklich prachtsöhne.“

Kargon senkte seinen Kopf. Er liebte seine Mutter, doch er wusste auch, dass er vor ihr keine Achtung hatte. Er hörte nicht auf sie, denn sie hatte nichts zu sagen. Das wusste er wohl. Und er hatte oft genug mit angehört, wie sein Vater sie für irgendetwas bestraft hatte.

Schnell verscheuchte Kargon diese Erinnerungen und lenkte seine Aufmerksamkeit auf die Gegenwart. Er sollte so viel von seinem Vater lernen, wie er nur konnte.

„Nun meine Söhne, wir sind fast da. Von den Familien, die nicht genug Abgaben machen können, werden wir einige Frauen mit in den Palast nehmen, damit sie die Schulden ihrer Eltern abarbeiten können. Sucht euch die aus, die euch gefallen.“ Mit einem Blick zu Kargon zuckte König Darkon noch kurz die Schultern „Du natürlich noch nicht, mein Sohn. Du bist noch zu jung. Doch vielleicht lässt dich einer deine Brüder ja zusehen, wie die Frauen ihre Schulden abarbeiten können. Damit du etwas lernst.“

Prinz Kargon richtete sich in seinem Sattel zu seiner vollen Größe auf. Er war noch zu jung um eine eigene Frau haben zu können. Doch wenn er alt genug war, würde er wissen, wie er mit ihnen umgehen musste. Und dann würde sein Vater stolz auf ihn sein und ihm eine reiche und wohlhabende Prinzessin suchen, die er dann heiraten konnte und die ihm Söhne schenken würde.